Ich muß zugeben: it’s been awhile. Viel schlimmer aber als die Tatsache, daß auch ich mich gegen Frühjahrs- und Aufsatzmüdigkeit und die im Wohnheim kursierende Erkältung nicht angemessen zur Wehr setzen konnte, ist, daß ich es nun mit einem ungeheuren Wust an Bildern zu tun habe, die bis ins letzte Jahr zurückgehen und selbst dem eingefleischtesten Diashow-Fan die Tränen in die Augen treiben würden.
Was nun also tun? Wie man ja an meinem furchtbaren Akzent hören kann, bin ich Deutsche, und deshalb per definitionem nur glücklich, wenn ich einem System folgen kann; ich habe mich für die Aufteilung in Themenblöcke entschieden. Dieser hier heißt „noch mehr sightseeing in london“ und enthält völlig überraschend Fotos von Orten, an denen man nur Touristen trifft, die sich in der eigenen Sprache peinlich verhalten.

Eine gute Mischung peinlicher deutscher und holländischer Touristen habe ich letztes Jahr mit Miriam im Tower getroffen. Aber er ist trotzdem jeden Penny wert, und es stecken eine Menge Pence in 14 Pfund…
Für die Tour soll man nach dem Prospekt ungefähr 4 Stunden einplanen, aber wir sind um 10 hineingegangen, hatten ein zügiges Tempo und haben es dann trotzdem gerade so geschafft, vor Torschluß um 5 wieder rauszukommen. Hier ein kleiner Überblick:

Man kann in fast jedes Gebäude hineingehen, und sie sind alle gut zurechtgemacht und mit der modernsten Informationstechnik ausgestattet. Mir haben aber am besten die kleinen Hinweise gefallen, die einem z.B. erklären, wie man eine Armbrust hält oder sich im Fall einer Invasion in Deckung bringt oder daß man Kettenhemden nicht naßmachen soll. Oder, wie in diesem Fall, daß die Menschen im Mittelalter gern im Sitzen schliefen. Ach so…?

Hier sind sie bemüht, ihre Hinrichtungsgeschichte durch ein Denkmal und ein schwülstiges Gedicht ein bißchen auszubügeln. Ich muß sagen, daß ich ein gläsernes Kissen irgendwie unangebracht finde, wenn man bedenkt, daß es um gerollte Köpfe geht, aber das könnte auch englischer Humor sein.

Dieses Bild habe ich ausgewählt, weil es ein bißchen die Atmosphäre wiedergibt, aber die Touristen ausspart (ich weiß nicht, wo sie hin sind, es waren so viele, sie müssen alle hinter uns stehen!).

Links im Bild ein Teil vom white Tower, dem Zentralgebäude, das eine seltsame Militärgeschichtsausstellung beherbergt. Der ranzige kleine Mauerrest in der Mitte gehört zur römischen Stadtmauer Londons.
Ähnlich wie die Römer auf dem Kapitol haben auch die Engländer ihre heiligen Vögel, wenn auch leider keine Gänse, sondern ein bißchen was unheimlicheres:

Es geht die Legende, daß England untergeht (oder so), wenn die Raben davonfliegen. Es hat schon was sehr pragmatisches, daß sie einigen von ihnen darum einfach die Flügel stutzen! Sonst scheint es ihnen aber ganz gut zu gehen, und um 15.30 huscht ein Mann im roten Anzug durch die Anlage, um die Raben ins Bett zu bringen, das ist schon irgendwie nett.
Für die Fraktion „es glitzert, es ist sinnlos, ich will es“ gibt es in der Daueraustellung samt pathetischer Musik und allem, was dazugehört, die Kronjuwelen zu sehen. Man darf sie leider nicht fotografieren, sondern muß auf zwei Laufbändern links und rechts daran vorbeifahren, möglichst ohne verdächtige Bewegungen zu machen. Aber wo das Pfund gerade so schwach ist, wär es auch gemein von mir, alles zu verraten, dann bräuchte ja kein Tourist mehr kommen und die Wirtschaft ankurbeln!
Dieses Jahr habe ich nun mit Fine endlich die St. Paul’s Cathedral von innen gesehen, die nur erfrischende 9 Pfund kostet, und konnte sogar zwei schlechte Fotos schießen, bevor man uns erwischt hat:

Nun kann man jederzeit unendlich viele schlechte Bilder vom Inneren der Kathedrale im Internet finden, deshalb habe ich mir noch etwas mehr Mühe gemacht und bin einen Haufen Stufen zur steinernen Gallerie hinaufgelaufen, um diese Fotos zu machen:

All diese Stufen dauern nicht so lange wie ein Flug nach New York, und trotzdem hat man so ein „Empire State Building“-Gefühl. In der Mitte das Gebäude, das so aussieht wie eine Rakete, ist eins von den Foster-Häusern, wie das Londoner Rathaus. Die Kräne sind nur Dekoration, glaube ich, ich seh da selten wen arbeiten.

Der „Old Bailey“ ist der Strafgerichtshof des Königreichs, in dem wohl seinerzeit auch über Guy Fawkes verhandelt wurde, natürlich zu seinen Ungunsten. Oben auf dem Dach steht Madame Justice, die in „V for Vendetta“ den Feuerwerkskünsten des Mannes mit der Guy-Fawkes-Maske zum Opfer fällt.


Der Blick nach Westen und Süden. Ein Glück, daß die Themse da irgendwo ist, sonst käme ich mit den Himmelsrichtungen nie zurecht! Im Süden kann man am rechten Rand die Millenium Bridge und die Tate modern sehen, und in der Mitte, gerade hinter der Themse, das New Globe Theatre. Und wenn man sich konzentriert, kann man in weiter Ferne den Rauch der Bandenkriege aus dem supergefährlichen South London sehen, das ich Mutti versprochen habe nie zu betreten. Ich war aber doch da, einmal. Und eigentlich war es ganz nett!
Mehr als alles andere hat mich aber dann beeindruckt, daß die Toilette in St. Paul’s 1996 zum Klo des Jahres gewählt wurde! Und wehe, es kommentiert einer die Schärfe des Bildes, ich habe ohne Blitz fotografiert, denn noch peinlicher als so eine Plakette auszuhängen (von 1996! sie sind immer noch stolz darauf!) ist nur, sie zu fotografieren…

Demnächst in diesem Programm: Silvester.
na, das ist aber schön, hier mal wieder was von dir zu lesen. ich dachte schon, du wärst im schneesturm verschollen gegangen…
auf dem cover von thom yorkes soloalbum „the eraser“ gibts ne menge motive, die was london zu tun haben sollen – habe ein paar auf deinen fotos wiedererkannt und verstehe jetzt besser. du erfüllst einen bildungsauftrag!
its been a while since ich dir die fotos gegebn habe. wo ist nun der nachfolger?
nora, nora
Hallo liebstes Kusinchen, alles Gute zum Geburtstag wünsche ich Dir! Dir geht’s hoffentlich gut und Du fühlst Dich nicht so schlecht wegen Deiner 25 Jahre.