


Es war schon ziemlich aufregend, auf einem anderen Kontinent zu sein und festzustellen, daß es da wirklich Leben gibt und Menschen und all das, was sie immer im Fernsehen zeigen. Aber ich habe dann trotzdem irgendwann die Hacken zusammengeschlagen und gerufen:
There’s no place like home.
There’s no place like home.
There’s no place like home.

Vielen Dank, daß Sie mit uns geflogen sind. Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Aufenthalt und beehren uns bald wieder.
Wie man deutlich sieht, war heute genau der richtige Tag, um zum Hafen zu fahren.

Der Lake Ontario. Was man nicht sieht: Die nervigen Kinder hinter uns und eine total hysterische Moderatorin, die der verantwortliche Sender sofort entlassen müßte.

Im Harbourfront Centre unten am Hafen kann man sich viele touristisch aufgearbeitete Handwerksstätten ansehen, unter anderen eine Glasbläserei. Warum aber dieses Glas von absolut amerikanischer Doughnut-Form ausgemustert wurde, ist mir ein Rätsel. Zu patriotisch vielleicht? Oder unhandlich?

Da mir überhaupt die bescheuerten Rätsel für die armen Kinder noch im Ohr sind, trage ich hier selbst eines bei: Wir haben einen CN Tower in diesem Bild versteckt. Wer ihn findet und vor drei Wochen seine genauen Koordinaten bei einer beliebigen Adresse einschickt, erhält eine amerikanische Spezialität.

Und aus der Reihe “Spaß mit Perspektive”: Eigentlich wollte ich das Rogers Center photographieren, obwohl es so zugedeckt etwas unspektakulär wirkt (sobald es warm wird, machen sie offenbar den Deckel ab). Aber dieser Tower hat ein derartiges Geltungsbedürfnis, daß er sich immer irgendwo ins Bild drängen muß, so wie hier von rechts.

Unser erotisches Photo des Tages zeigt einen Raspberry Cream Cheese Cake, wie er wirklich sein sollte. Man bekommt ihn im “Future”, einem der wichtigsten Läden in Toronto, wenn man Fine glauben darf. Man muß schon sagen, schäm dich, Starbucks! Semesterlang hast du uns mit der Hälfte des Kuchens und auch in nicht derselben Qualität trotzdem dieselbe Zahl in Euro aus der Tasche gezogen! (Und weil es einfach nichts Vergleichbares gibt, wird das wohl auch so weitergehen.)

Wir sind dann noch in das Kohlviertel (Cabbagetown) gelaufen, das offenbar mal von Iren gegründet wurde, von denen aber – der Haarfarbe nach zu urteilen – kaum welche geblieben sind. Dafür hatten sie eine hübsche kleine Farm da, die wir besucht haben, obwohl ich bei der Einreise angeben mußte, daß ich weder eine Farm in den letzten 14 Tagen besucht habe noch mich mit dem Gedanken trage, eine zu besuchen. Bei der Ausreise ist es ihnen dann sicher völlig piepe.


Und damit wir dann doch noch was Irisches haben, beschlossen wir denn Tag bei Molly Bloom’s Irish Pub, denn auch beim Trinken kann man sich noch gebildet geben, wenn man Ulysses gelesen hat (oder sich zumindest redlich dabei Mühe gibt).

Morgen um diese Zeit bin ich schon fast zuhause!
Beinahe hätte ich gedacht “Toronto – das geht auch in schön”:

Aber dann sind wir auf diese etwas beunruhigende Nachbarschaftsinitiative gestoßen, die ich eigentlich nur in deutschen Kleingartenanlagen erwartet hätte.

Die Sportbegeisterung geht bei einigen so weit, daß sie sich Elche mit Maple-Leafs-T-Shirts auf den Balkon stellen (Ich bin darüber aufgeklärt worden, daß es sich um eine Eishockey-Mannschaft handelt, aber sportliche Angaben sind wie immer ohne Gewähr). Sie bestätigen meine Vermutung, daß schlechter Geschmack international ist – und Sport überbewertet.

Wer hier nichts auch nur im Entferntesten Italienisches erkennen kann, hat zwar recht, muß sich aber dennoch eines Besseren belehren lassen: Es handelt sich um “Little Italy”, das italienische Viertel von Toronto.

Dafür bestätigt Chinatown so ziemlich alle Erwartungen.

Ja, auch die ganz schlimmen Erwartungen.

Der CN-Tower, in meinen Augen ein wenig runder und daher ziemlich schlechter, dafür aber unglaublich hoher Abklatsch des Fernsehturms. Ich bin nicht hinaufgestiegen, weil ich finde, daß ein hohes Gebäude pro Jahr reicht.

Bevor es dann begann, in Strömen zu regnen, sahen wir uns noch die sogenannte Altstadt an, die aus etwa vier Häusern aus rotem Backstein besteht. Die Geschichte, die sich darum rankt, handelt von einem schottischen Schnapsbrenner, der das ganze ungefähr 1831 gegründet haben soll. Dann ist es mehrmals abgefackelt und zuletzt haben sie “Häuser im viktorianischen Stil” drübergebaut. Das erste Mühlrad kann man sich immer noch ansehen, aber ihr habt vermutlich alle schonmal ein Mühlrad gesehen.
